Papiere, Vliese, Zellstoffe, natürliche Dämmstoffe

Hanf in der Papierindustrie

Bis Ende des 19. Jahrhunderts war Hanf der Hauptrohstoff für Papier. Hanf war der Grundstoff von Büchern, Bibeln, Landkarten, Papiergeld, Wertpapieren und Zeitungen. Doch nach dem 2. Weltkrieg wurde die Produktion des Papiers mit Holz immer günstiger. Das Hanfpapier wurde dadurch immer mehr vom Papier aus Holz abgelöst. Heute ist der Marktanteil der Papierproduktion am Hanffasermarkt wieder relativ hoch (70-80 %). Trotzdem kann fast nirgends Schreibpapier aus Hanf im Laden gekauft werden. Der Grund dafür ist, dass der größte Teil der Hanffasern in den Produktionsprozess bei der Herstellung von Banknoten, Zigarettenpapier und Hygieneprodukten fließt. Hanffaser hätte aber auch bei der Schreibpapierherstellung Vorteile gegenüber den üblich verwendeten Fichten- oder Buchenholz: Hanfpapier hält länger und ist reißfester sowie auch im feuchten Zustand weiter verwendbar. Bei der Herstellung des Papiers ist auch der Einsatz von Chemikalien, aufgrund des sehr geringen Gehaltes von Lignin, geringer als bei der Papierproduktion. Interessant ist auch, dass Hanf als einjährige Pflanze auf derselben Fläche 4-5 Mal soviel Papier wie Wald liefert und wegen der besseren Reißfestigkeit der Hanffaser kann Hanfpapier auch öfter recycelt werden als Papier aus Holz. Der Grund warum Holz in der Papierproduktion den Vorzug gegenüber Hanf bekommt, liegt darin, dass Hanf im Vergleich zu Holz viel teurer ist. Es wird aber damit gerechnet, dass sich diese Preislücke in den nächsten Jahren schließen wird.

Verwendung in der Automobilindustrie

Wie schon angeführt, präsentierte Henry Ford 1941 sein „Hemp Car“. Es bestand großteils aus Hanf und hat einen Motor der Hanftreibstoff verbrannte. Heutzutage verzeichnet die Verwendung von Hanffasern in der Automobilindustrie ebenfalls einen kontinuierlichen Anstieg. Die sonst verwendeten Glas- und Mineralfasern können durch wissenschaftliche Forschungen problemlos durch Hanffasern ersetzt werden. Hanffaser sind genau so stabil wie Glasfasern, rund ein Drittel leichter, reißfester und können umweltverträglicher entsorgt oder recycelt werden.Formpressteile und Faserverbundstoffe mit Hanf (und anderen Naturfasern) sind aus der Automobilindustrie (z. Bsp. BMW, Ford, Daimler) nicht mehr wegzudenken. Beispiele dafür wären Tür- und Kofferraumauskleidungen, Armaturenbretter und Armstützen.Bei dem Automobilhersteller Daimler AG sind Naturfasern ein wesentlicher Bestandteil der Nachhaltigkeitsstrategie. In der A-Klasse enthalten zum Beispiel ca. 25 Bauteile nachwachsende Rohstoffe wie Hanf, Abaca oder Flachs. Fahrzeugteile aus pflanzlichen Rohstoffen haben laut Daimler einige Vorteile: Sie können umweltverträglicher produziert werden, sind relativ einfach erneuer- und recyclebar und die CO2-Bilanz ist bei Naturfasern wesentlich besser als bei Kunststoffen.Bei der Daimler AG wird Flachs, Sisal und Hanf vor allem zur Herstellung der Türinnenverkleidungen, der Hutablage und der Abdeckungen an der Fahrersitzlehne verwendet.Eine Statistik zeigt, dass Naturfasern (Flachs, Sisal, Jute und auch Hanf) immer mehr in der Automobilbranche verwendet werden. Derzeit werden ca. 19000 Tonnen pro Jahr in der deutschen Automobilproduktion eingesetzt, 1999 wurden nur ca. 9 Tonnen eingesetzt.

Anwendung in der Textilindustrie

Textilien aus Hanf werden schon seit einigen Tausend Jahren hergestellt. Die Chinesen stellten ca. 3000 v. Chr. bereits Seile aus Hanf her. Wie schon erwähnt ist Hanffaser viel reißfester und haltbarer als Baumwolle. Die klassischen Hanftextilien zeichnen sich deswegen durch die hohe Saugfähigkeit aus, sie sind widerstandsfähiger gegen Nässe, unempfindlich beim waschen, fusseln nicht und werden nicht von Motten heimgesucht.

Diese Vorteile veranlassten sogar den berühmten Levi Strauss dazu, Hanfstoff für seine ersten Jeans zu verwenden.
Erst cottonisierte Flachsfasern in Verbindung mit Baumwolle konnten Hanf später als Hauptkleidungsstoff ablösen. Seit Mitte der 90er wird aber wieder an der Einführung von Hanf in der Bekleidungsindustrie gearbeitet. Hier wird aber nicht an die traditionelle Langfasertextilie gedacht, sondern an die so genannte „cottonisierte Hanffasern“.
Hierunter versteht man eine Hanffaser, die mit Hilfe modernster chemisch-physikalischer Verfahren verfeinert wurde und in ihren technischen Eigenschaften der Baumwollfaser so weit gleicht, dass sie ebenso auf den hochproduktiven Baumwollspinnmaschinen verarbeitet werden kann.
Das heißt Hanf kann seine Vorteile erst ausspielen, wenn dieselbe Produktivität wie bei der Baumwolle erreicht werden kann. Bis dahin werden qualitätsbewusste Kunden noch etwas mehr Geld für ein Kleidungsstück aus Hanffasern ausgeben müssen.

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